Die Zeit heilt keine Wunden

Irgendwann trifft es dich. Und auch wenn du Zeit hattest, dich darauf vorzubereiten – du bist nicht darauf vorbereitet.

Wenn ein geliebter Mensch gehen muss und diese Welt verlässt, hinterlässt er schmerzhafte Wunden. Im Herzen. In der Seele. Im Leben.

Nichts scheint mehr so zu sein, wie es vorher war. Ein riesiges, schwarzes Loch kennzeichnet die Stelle, die vorher mit Liebe und Zuneigung gefüllt war.

Groß. Schwarz. Verhängnisvoll. Ganz leicht kann man da hineinfallen.

Wie kann es sein, dass sich die Erde einfach weiterdreht, wo deine eigene Welt gerade eingestürzt ist?

Warum geht draußen auf der Straße der Alltag ganz normal weiter, obwohl dein Leben gerade still steht?

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Doch das stimmt nicht. Die Wunde hört irgendwann auf zu bluten. Und noch viel später wird sich ein Schorf darüber bilden. Aber der wird immer wieder aufreißen. Eine falsche Bewegung. Ein falscher Gedanke. Es beginnt wieder, leicht zu bluten.

Nein, die Zeit heilt keine Wunden. Diese Wunden bleiben für immer. Für den Rest deines Lebens. Bis auch du eines Tages diese Welt verlässt und Wunden hinterlässt. Und vielleicht auch darüber hinaus…

© Sean Conrad