K.O.
Ich hatte einmal einen Traum,
ich wollt‘ ein echter Boxer sein.
Doch leider blieb mir wenig Raum
denn ich war viel zu klein.
Und auch zu langsam, muss ich sagen
zu ungelenk, und auch zu schwer.
Doch all das würd‘ ich gern ertragen
wenn ich doch nur ein Boxer wär.
Ein Boxer hat ’ne Top-Figur,
ist gut trainiert und smart.
Kohlenhydrate isst er pur
weil er viele Muskeln hat.
Mit einem Boxer ernst zu streiten,
das kann ganz schön gefährlich sein.
Weshalb die meisten das vermeiden
und lieber Schwächere anschrein‘.
Gibt es dann einen echten Fight
schaut’s Publikum gebannt,
wer in der großen Boxing-Night
als Champion wird ernannt.
Der Boxer, warm und eingeölt,
den Boxring stolz besteigt.
Schon wird ganz leise rumgenölt
„Mal seh’n, ob er’s vergeigt…“
Der Gegner kommt, was für ein Wicht,
der geht doch gleich K.O.
Den Sieg nimmt ihm der Kleine nicht,
den schlägt er sowieso.
Ein hübsches Mädel kommt und läuft
mit „Runde 1“ along,
der Boxer schnell noch Wasser säuft
und schon ertönt der Gong.
Ein wenig Täuschung und Gedroh‘,
der Sieg ist locker drin.
Den kleinen Kerl verspeist er roh –
nanu, wo ist der hin?
Da schlägt des Gegners Rechte ein,
die Linke hinterher.
„Was ist denn los, das kann nicht sein!“
Ein Haken trifft ihn schwer.
Ein Schwinger kommt genau auf’s Kinn,
mein Lieber, der hat Dampf.
Der Boxer kurz verliert den Sinn
und damit auch den Kampf.
Das Aus, wer hätte das gedacht,
bereits in Runde eins.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Dem Boxer fehlt er, scheint’s.
Nase kaputt, Gesicht voll Blut,
erniedrigt und geschlagen.
Gedemütigt und voller Wut
wird er vom Feld getragen.
Im Nachhinein, gesamtbetrachtet,
nichts, was man haben muss.
Ich hab da wohl was nicht beachtet
und komm‘ zu diesem Schluss:
Was für ein Glück, dass ich zu klein,
zu langsam und zu dick.
Sonst wär‘ ich auch ein armes Schwein
das auf die Schnauze kriegt.
© Sean Conrad